Foto des Europäischen KulturparksAls „Rynheim" erscheint der Ort erstmals 1267 in einer Saarbrücker Urkunde, in der zwei Deutschordensritter aus Reinheim als Bürgen auftreten. In der Dorfmitte führt eine breite Treppe zu der erhöht stehenden katholischen Kirche „St. Markus". Im ehemaligen Friedhof an der Kirche stehen noch einige schöne Grabsteine aus dem 18. Jahrhundert. Der romanische, runde Kirchturm mit seiner Höhe von 16 und einem Durchmesser von 7,50 Metern ist der mächtigste der drei Rundturmkirchen im Bliesgau. Der dreigeschossige Rundturm stammt aus dem 12. Jahrhundert und gehörte wohl zum Wohnsitz der am Ort ansässigen Ritter. Eine Pechnase an einer Luke weist auf seine ehemalige Funktion als Wehrturm hin. Die kirchliche Nutzung des im Volksmund auch „Heiden- oder Römerturm" genannten Bauwerkes ist erstmals für das Jahr 1488 bezeugt. Das Untergeschoss diente wohl als Kapelle. Vermutlich aus dem 15. Jahrhundert stammt auch das gotische Kreuzgewölbe mit wulstförmigen Rippen, das von 3/4-Säulen getragen wird.

 

 

Auf dem Platz der Vorgängerkirche wurde 1790/91 das neue Langhaus erbaut. Der Bekanntheitsgrad von „St. Markus" beruht auf seiner prachtvollen Innenausstattung aus der Zeit des Barock. Jean Madersteck schuf sie 1733 bis 1736 für das Kloster Gräfinthal. 1793 wurde sie dort von der französischen Ausleerungskommission als Brennholz versteigert. Ein Reinheimer Bürger erwarb sie für seine Heimatkirche. Die Kanzel trägt ein knieender Samson. Der Hochaltar wurde aus verschiedenen Teilen aus der Zeit um 1770 neu zusammengesetzt. Der alte Sandsteinaltar der Vorgängerkirche dient heute als Seitenaltar.

 

Außerhalb des Ortes über der Straße nach Habkirchen steht das letzte Weinberghäuschen, das „Rebenhäuschen", ein kleiner Rundbau mit Kuppelgewölbe, erbaut um 1880, der Zeugnis vom Kirche „St. Markus" Reinheim Weinbau an der Blies ablegt. Mittlerweile wird versucht, die Weinbautradition in Reinheim wieder aufleben zu lassen. Vom nahe gelegenen Willersberg hat der Besucher einen weiten Blick über das Bliestal.

 

Überquert man die Blies über die Brücke mit einer Figur des Hl. Johannes von Nepomuk, erreicht man den grenzüberschreitenden Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim. 1954 wurde dort der Grabhügel einer um 400 vor Christus bestatteten keltischen Fürstin freigelegt, der als einer der „sensationellsten Grabfunde frühkeltischer Zeit in Mitteleuropa" gewertet wird. Ihrem hohen Rang entsprechend fanden die Archäologen schließlich über 200 kulturhistorisch sehr wertvolle Einzelstücke. Seit einiger Zeit ist auch eine Rekonstruktion des Fürstinnengrabes hier zu bestaunen. Sie lädt den Besucher mit zu einer mystischen Reise unter Tage ein.

 

Auf der heutigen Grenze, die Frankreich und Deutschland trennt, entstand um die Zeitenwende ein mehrere Hektar großer gallorömischer Vicus. So wurde in den letzten Jahren ein dicht bebauter, durch ein rechtwinkliges Straßennetz gegliederter Siedlungskern ausgegraben, in dem sich auch Handwerks- und Händlerviertel befanden. Daneben fand sich eine kultische Zone mit Hunderten von Gruben und Opferschächten. Im Stadtmittelpunkt standen damals die Thermen, die Bäderanlagen. Etwa 500 Meter davon entfernt, wieder auf deutschem Gebiet, liegt eine aufwändige Villenanlage mit Hauptgebäude und Hofareal mit einer Grundfläche von fast 6000 Quadratmeter. Im neuen Thermenpavillon auf der französischen Seite des Parks finden sich Rekonstruktionszeichnungen, die dem Besucher das damalige Leben nahe bringen, auf der deutschen Seite sind im Museum Fundstücke der binationalen Grabung ausgestellt.

Außer der Archäologie setzt Reinheim ein weiteres Highlight in der Region. Als Hochburg des Straßenkarnevals lockt der Rosenmontagszug immer wieder mehrere Tausend „Narren" an und taucht die Straßen des Ortes in bunte, ausgelassene Heiterkeit.

Auch das vielfältige Festangebot mit dem idyllischen Brückenbogenfest ist ein Charakteristikum des Grenzortes.